Urlaubsrückreise

Nach vielem Zittern und Planen und Pläne neu schmieden kam der obligatorische Heimaturlaub tatsächlich zustande. Mit der Mama im Gepäck fahren sich die 3400km fast von selbst. Warum auch immer, aber diese Fahrt war die angenehmste bisher. Eine Übernachtung in Luleå und eine Nachtfahrt, da waren wir auch schon daheim. Der Urlaub an sich war prall gefüllt mit Terminen und Besuchen. Das Wetter war leider nicht so schön, wenig Sonne, viel grauer Himmel und gegen Ende des Aufenthalts teils kräftige Unwetter mit Hochwassergefahr an der Mühle.   

Nach vielen Einkäufen, einem Austausch meiner Windschutzscheibe und dem ein oder anderen Tränchen beim Abschied konnte das Abenteuer Rückreise nach 4wöchigem Aufenthalt in heimischem Gefilde beginnen. Sonntags morgens um kurz vor 6 starte ich Richtung dem ersten Etappenziel – der Hauptstadt. Es lässt sich wunderbar fahren, kaum Verkehr, lediglich hin und wieder ein kurzer Regenschutt. Kaum haben wir die Landesgrenze Berlins passiert stehen wir im Stau. Die Fahrbahn verengt sich von 3 auf eine Spur und der ganze Verkehr wird einspurig von der Autobahn Richtung Stadt umgeleitet. Totalsperrung der Autobahn. Keine Umleitung ausgeschildert, keine Möglichkeit wieder auf die Autobahn aufzufahren. Ich werde leicht panisch. Zusätzlich zu dem ätzenden Stop-and-go muss ich auch noch aufs Klo und die Aussicht auf die Berliner Innenstadt gefällt mir ganz und gar nicht. Den Pinschern geht das alles am Arsch vorbei. Die schlafen und stören sich kein bisschen an der leicht chaotischen Gesamtsituation. Ein gelegentlicher Pups zeugt von ihrer Anwesenheit…

 

 

Ich telefoniere mit Niels, meine Nerven liegen ziemlich blank. Eine Planänderung sieht vor, die nächste Tankstelle anzusteuern und die Toilettenproblematik aus der Welt zu schaffen. Danach bin ich zumindest rein körperlich deutlich entspannter. Das Abenteuer ‚Ottilie in Berlin‘ kann dann wohl also beginnen. Nach wenigen Kilometer zäh fließendem Verkehr kommt es zum Totalstillstand. Auf einer Brücke gibt Ottilie plötzlich ein entrüstetes Piepsen von sich in Verbindung mit dem Aufleuchten des Kühlflüssigkeitssymbols. Mit Entsetzen fällt mein Blick auf die Temperaturanzeige, die einen großen Sprung nach oben Richtung rotem Bereich gemacht hat. Glücklicherweise hatte ich mich kurz zuvor von der linken auf die rechte Spur geschafft und konnte direkt auf den Standstreifen ausweichen und den Motor abstellen. Sprunghafter Anstieg von meinem Puls. Während ich die Motorhaube öffne schlägt mir eine ziemlich heiße Portion Luft entgegen. Panisch den Papa angerufen. Nach einem beruhigenden Vater-Tochter-Gespräch informiere ich Niels. Wieder eine Planänderung. Niels will mit der S-Bahn zu mir kommen und mich abholen. Ich warte erst mal im Auto und lasse der alten Dame Zeit sich abzukühlen. Irgendwann wird der Stau um mich rum lichter und es geht jetzt relativ zügig voran. Ich starte den Motor, drehe die Heizung auf und fahre weiter bis zur nächsten Tankstelle. Dort parke ich Ottilie und entlasse die Jungs aus dem mittlerweile doch recht warmen Auto. Kurze Zeit später trifft auch Niels ein und wir schlängeln uns durch die Stadt bis zu seiner Wohnung. Wegen einer Fahrradveranstaltung war nicht nur die Autobahn gesperrt, sondern auch fast alle größeren Straßen in Richtung Brandenburger Tor. Abends wird in gemütlicher Runde im Schrebergarten gegrillt und gelacht, ein schöner Abschluss eines ereignisreichen Tages.

 

Montag drauf ist Berlin Tag. Die zweitbesten Rosinenbrötchen Deutschlands zum Frühstück, einen ausgiebigen Spaziergang im Feld mit den Hunden, ein Stadtbummel und eine original Berliner Currywurst. Anmerkung zur Currywurst: Schmeckt genauso wie die Currywürste meiner Kindheit auf der Kirmes in Henau… Der Abend schreitet voran mit Proviant vorbereiten, Auto weitestgehend fertig packen und viel zu spät schlafen gehen.

 

Um 3 klingelt schließlich der Wecker. Abfahrt der Fähre soll um 7 Uhr sein. Wir liegen gut in der Zeit. Planmäßige Abfahrt um 4. Tankstopp und kleiner Spaziergang 30km vor Rostock. Keiner weiß wie es dazu kommen konnte, aber plötzlich lief uns die Zeit davon. Um 6.45 kamen wir schließlich im Hafen an um dann festzustellen, dass der Check-In Schalter für unsere Fähre bereits geschlossen war. Die unfreundliche Dame am Nachbarschalter schickte uns zum Bürogebäude der Fährgesellschaft. Dort angekommen teilte man mir mit, dass das gar kein Problem ist und wir nun nur 6 Stunden auf die nächste Fähre warten müssten. Nach verzweifeltem Gebettel wurden wir kurzfristig auf eine Fähre eines anderen Unternehmens umgebucht. Buchungsnummer und Perso hatte ich parat, nicht aber dem Niels seinen Ausweis. Anrufen nicht mehr möglich, weil Guthaben auf dem Handy leer. Ich renne also los zum Auto, hole den Perso, flitze zurück, bekomme unsere Tickets und dann nix wie ab durch die Durchfahrt-Verboten Zone zur Fähre. Ticket abscannen und ohne zu stoppen rauf aufs Schiff. Puls mittlerweile wieder runter auf angenehme 250. Eine ruhige Ecke zu finden gestaltet sich als schwierig. Bei dem neuen Schiff gibt es fast nur Kabinen und LKW-Fahrer. Die normalen Autos im Bauch der Fähre kann man an zwei Händen abzählen, somit auch die Privatpassagiere. Wir finden schließlich eine Sitzgruppe mit unbequemen Stühlen direkt neben der Tür zu unserem Autodeck. Während auf Deck fleißig geschweißt wird stehen alle Türen weit offen und eine Horde asiatischer Arbeiter schiebt massenweise große Kisten und Pakete mit Fährbedarf herein. Wie beruhigend doch ein Schweißgerät im Hintergrund wirken kann…

 

Pünktlich nach 6 Stunden Überfahrt legen wir in Trelleborg an. Kurze Passkontrolle und nix wie weiter an den Strand. Endlich können die Hunde mal flitzen. Die Fahrt bis Luleå verläuft ohne erwähnenswerte Zwischenfälle. Mittwoch Morgen um 8.30 laufen wir bei Sandra und Toby ein nach durchfahrener Nacht.

 

Nach 2 Tagen Pause im regnerischen Luleå verlaufen die verbleibenden 800km bis nach Hause ereignislos, fast schon langweilig. Das spannendste waren wohl 5 Rentiere auf der Straße und ein Burger in Inari.

 

 

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