Bergebyløpet 350 (8.-10-2.2018)

Der Abend davor, die Anreise und der Start

 

 

Niels und ich versinken im Chaos, wie auch nicht anders zu erwarten war. Das Packen und Zusammensuchen von Ausrüstung und Futter dauert einfach seine Zeit. Ein letztes Mal Arbeiten abends hilft wenig, muss aber sein. Nach der Arbeit packen wir also Spike ins Auto und bringen ihn zu einer Bekannten, die in der Nachbarschaft als Hundeschlittenguide arbeitet und sich bereit erklärt hat, Spike ein Plätzchen im Haus zu geben während wir unterwegs sind. Kaum haben wir den Hund abgeliefert kommt ein Anruf, dass kurz die Tür offen war und Spike die Gelegenheit beim Schopfe gepackt hat. Spike war also weg. Niels und ich hüpfen ins Auto anstatt zu essen und unsere Vorbereitungen abzuschließen. Nach 2,5 Stunden Spike suchen ist Niels glücklicherweise nochmal daheim vorbei gefahren und siehe da wer vor der Haustür stand und um Einlass bat. Nachdem wir Spike nun also zum zweiten Mal weggebracht haben wurde noch ansatzweise fertig gepackt bis spät in die Nacht.

 

 

 

 

Früh am nächsten Morgen klingelt der Wecker und wir schaffen es, pünktlich um 10.15 loszukommen. Blue und Devil geben wir bei meinem Chef und Nachbarn ab. So ein Rennen ist einfach kein guter Platz für die 2 Leichtbepelzten und sowohl Niels als auch ich haben keinerlei Hirnkapazität um uns um die Jungs zu kümmern. Wir stoppen bei Stefan Zuhause, laden die restlichen Hunde und Welpen aus die nicht mit zum Rennen kommen und laden im gleichen Arbeitsschritt Stefans Rennteam ein. Da ich keinen eigenen tauglichen Hänger habe transportieren wir 2 Gespanne im großen Hänger. Logistisch manchmal eine kleine Herausforderung, aber auch praktisch weil nur ein Hänger dabei ist der irgendwo untergebracht werden muss. Das Beladen geht schnell und kurz drauf sind wir startklar. Niels und ich fahren mit Ottilie, Alex fährt den Hänger und Stefan fährt mit seinem Auto extra, weil er nicht die ganze Zeit beim Rennen dabei sein kann. Wir machen einen kleinen Zwischenstopp in Finnland zum Tanken und zum Mittagessen und kommen ca gleichzeitig mit unseren Hunden in Vadsø an. Wir checken eben noch schnell im Hotel ein und treffen Alex dann am morgigen Startpunkt, wo nachmittags zuvor der Papierkram erledigt werden muss und danach die Vorbesprechung stattfindet. Alles geht schnell und unkompliziert. Die Chipnummern der Hunde werden kontrolliert und alle Chips sind lesbar. Das freut mich sehr, denn bei Schwester und Escala wurde bisher noch kein Chip ausgelesen und ich wusste nicht ob er auffindbar ist oder nicht. Zwischen der Anmeldung und der Vorbesprechung lassen wir die Hunde raus und füttern alle. Nach der Vorbesprechung ein letztes Mal Hunde lüften, dann fahren sie mit Alex und Stefan zu deren Schlafplatz während Niels und ich zum Hotel fahren und eine erholsame und sogar recht lange Nacht haben.

 

Um 5 klingelt der Wecker, wir checken aus und fahren zu den Hunden um sie zu füttern. Danach geht es zum Startplatz, wo wir schon mal anfangen, den Schlitten zu packen. Nun geht alles sehr schnell. Alex kommt mit Hunden und Hänger, der Schlitten wird kontrolliert und für ok befunden. Leine wird gespannt und nach und nach die Hunde eingespannt.

 

 

 

Emil, ein älterer erfahrener Rennhund der mir kurzfristig fürs Rennen angeboten wurde, wartet bis zum Schluss angebunden am Hänger. Als er an der Reihe ist komme ich zum Hänger und Emil ist weg. Ich schaue in allen Boxen nach, alle leer. Ich frage bei Stefan und Alex nach, die auf der anderen Seite des Hängers ebenfalls einspannen. Nein, keiner hat Emil gesehen. 25 Teams bereiten sich auf den Start vor, das Adrenalin kocht bei allen über und irgendwo mittendrin Emil. Aber wo??? Ich fange leicht panisch an, sämtliche Helfer zu fragen, ob ihnen ein freilaufender Hund begegnet ist. Wenig später entdecke ich einen der Helfer mit Emil an der Leine. Oh man was war ich froh den Kerl zu sehen. Also gut, nun ist das Team also vollzählig.

 

 

 

 

Im Lead laufen Marabou und Loke. Auf Position 2 laufen Jenna und Schwester (die pünktlich zum Rennen mit der Läufigkeit begonnen hat), an Position 3 kommen Bente (eine erfahrene Rennhündin von Stefan) und Emil, hinten laufen Milka und Escala. Ich nochmal schnell zum Klo und dann ist auch schon grünes Licht zum Losfahren. Wir starten als zweites Team, Alex direkt hinter uns.

 

 

 

Etappe 1: Vadsørunde (71km)

 

 

Auf der Strecke liegt sehr wenig Schnee, es schauen überall Steine hervor und man sieht dem Trail an, dass es hier so nah an der Küste sehr viel Wind gibt. Schon kurz nach dem Start zeigt sich, dass hier was nicht stimmt. Loke arbeitet nicht, Marabou schließt sich an und die Leine der Leader ist überwiegend schlaff. Das Tempo ist zwar recht hoch, aber das Gespann findet keinen Rhythmus. Dann kommt auf der Nordseite der Runde auch noch starker Gegenwind dazu. Ich kauere also hinter den Schlitten, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und um es den Hunden somit zu erleichtern. Nix passt hier und mir wird klar, wenn das hier so weiter geht, dann wird es nicht für den letzten Platz reichen. Gegen Ende der Etappe werden wir dann noch 2 Mal überholt. Meine Laune ist im Keller. Auf der ersten Etappe sollten alle Hunde noch fit und fröhlich sein. Nun gut, nach der Runde sind wir erstmal eine Weile im CP und dann sehen wir weiter.

 

7 von 8 Hunden haben den Sinn eines Checkpoints sofort begriffen. Auch Escala, die zum ersten Mal bei einem Rennen dabei ist. Nur Schwester kann sich nicht hinlegen und steht halt da rum und guckt sich alles an. Ich lasse die Hunde also in Ruhe und führe mir selber Essen zu.

 

 

Etappe 2: Vadsø – Bergeby (58km)

 

Bevor wir weiterfahren spanne ich die Hunde um. Loke und Marabou müssen nach ganz hinten, Jenna und Emil laufen nun im Lead. Ich möchte mir nun doch selber ein Bild von Emils hochangepriesenen Leithundqualitäten machen. Um 17 Uhr verlassen wir den Checkpoint Vadsø also mit allen 8 Hunden. Das Wetter ist mäßig kalt und klar. Recht schnell werden mir nun 3 Dinge klar. Die Strecke an sich ist zu Beginn langweilig, es geht auf einem Plateau praktisch nur geradeaus. Später wird es interessanter, weil ein paar große Kurven gute Sicht auf viele Kopflichter hinter mir auf dem Trail geben. Je nachdem wo man selber grade ist kann man bis zu 10 Lampen sehen die sich über eine weite Strecke des Trails verteilen. Erkenntnis 2 ist, Emil hält was er verspricht und leitet souverän. Die Leine ist stramm, Emil und Jenna machen vorne einen super Job. Ich brauche nicht groß auf die Leader achten, die wissen was zu tun ist. Ich kann mich also ganz auf Erkenntnis 3 konzentrieren. Mit Loke stimmt was nicht. Er arbeitet gar nicht, will nicht vorwärts. Da er nicht humpelt lasse ich ihn weiter laufen. Aber das ist nicht mein Loke. Dieser Hund hat bisher immer gearbeitet. Müdigkeit kann nicht der Grund sein, Loke ist angemessen trainiert und auf Etappe 2 trennt sich normalerweise noch nicht die Spreu vom Weizen. Es muss also was anderes dahinter stecken. Es gibt keinerlei Anzeichen von Durchfall oder Dehydrierung oder vermehrtem Erbrechen. Gegen 21 Uhr laufen wir im unbemannten CP Bergeby ein. Dort haben Handler keinen Zutritt. Die Lage des CP’s ermöglicht einfach nicht, dass Autos mit Hänger dort parken oder wenden können. Man muss also alles was man so braucht um unter anderem die Hunde und sich zu füttern selber im Schlitten mitbringen. Der Handler hat nur Zugang, wenn ein Hund aus dem Gespann genommen werden muss. Direkt nach meiner Ankunft rufe ich Niels an und bitte ihn herzukommen, damit er Loke abholt. Für den fast 9 Jahre alten Loke ist das Rennen hier also beendet. Einer von 3 großen starken Rüden ist also raus aus dem Team und ich mache mir ein bisschen Sorgen, ob die Weiber die Bergetappen später im Rennen wohl gut hinkriegen. Nicht dass wir jetzt noch eine andere Wahl hätten. Schwester kann nun immerhin schon sitzen während der Pause… Der Checkpoint ist wenig einladend. Ein zugiges Zelt dient als Aufenthaltsraum für die Musher. An schlafen ist nicht zu denken. Also esse ich lustlos einen Schokoriegel und trinke Tee. Die größte Herausforderung im Übrigen bei diesem Rennen: Das Trink- und Toilettenmanagement. Trinke ich zu wenig, geht es mir nicht gut. Trinke ich zu viel, muss ich ständig pinkeln. Mit meinem diesjährigen System aus Thermosbecher und Thermoskanne fahre ich sehr gut. Gerüchten zufolge gab es in dieser Nacht wohl wunderschöne Nordlichter. Ich kann mich erinnern, dass ich ab und zu mal welche gesehen habe. Aber die zunehmende Müdigkeit macht sich schon hier und da bemerkbar. Man hat nicht einfach nur wenig Schlaf, es ist auch anstrengend auf dem Schlitten zu stehen ohne Möglichkeit, sich mal hinzusetzen. Und die Bergetappen stehen uns erst auf der zweiten Rennhälfte bevor, wo man dann sehr aktiv selber mit die Berge hochläuft und den Schlitten fast permanent mit antritt.

 

 

Etappe 3: Bergeby – Nyborg (72km)

 

 

Nachts um kurz nach halb 1 verlassen wir Bergeby mit 7 Hunden. Auf dieser Etappe zieht es sich langsam zu und es wird wärmer. An diesen Teil des Rennens kann ich mich kaum erinnern. Es war mit der schwierigste Abschnitt was das Wachbleiben angeht. Sekundenschlaf und Halluzinationen begleiten mich fast die ganze Zeit. Ich sehe geparkte Autos neben dem Trail mitten im Nirgendwo und ich fahre unter Brücken durch die es nicht gibt… Ständig schrecke ich aus dem Schlaf hoch. Glücklicherweise waren die Hände immer fest am Schlitten. Mir war vorher nicht klar, dass es die längste Etappe werden würde und nach 50 gefahrenen Kilometern war es meiner Ansicht nach ja fast schon geschafft. Und dann nahm es einfach kein Ende. Immer noch kein CP in Sicht. 60km auf dem GPS… ja wo zum Henker sind wir denn eigentlich? Nach 72km also endlich ein Ende in Sicht. Die Hunde sind toll gelaufen. Emil und Jenna bleiben erst mal vorn. Funktioniert ja bestens. Außer Bente arbeiten alle Hunde gut und haben ihr Tempo gefunden. Nicht besonders schnell sind wir unterwegs, aber stetig vorwärts geht‘s. Wie sich später herausstellen wird bringt einen das auch ins Ziel. ;-) Im CP Nyborg sind die Handler wieder dabei und außerdem werden alle Gespanne in der 8er-Klasse von einem Tierarzt untersucht. Bei diesem Rennen darf der Handler aktiv bei den Hunden mithelfen, wenn denn Handler erlaubt sind. Niels und ich versorgen also die Hunde und Niels macht einen Zeitpunkt für den Vet-Check aus. Dann gibt es Frühstück für mich und ein Plätzchen in einem der Schlafsäle. An Schlaf ist leider nicht zu denken. Es kommen Leute rein, es wird geredet, zwar leise aber laut genug um nicht einschlafen zu können, dann piepst ein Handy, dann kommt einer rein, packt laut raschelnd seinen Schlafsack aus, dann muss ich aufs Klo und somit wars vorbei. Als mir die Hüftknochen genug weh tun stehe ich auf und verlasse den Schlafraum. Wir gehen kurz vorm Vet-Check zu den Hunden und ich laufe mit jedem einzelnen ein Stück um zu sehen ob sie humpeln und ob sie in normaler Farbe pinkeln. Alle scheinen fit auf den ersten Blick. Auch die Tierärztin hat nichts zu beanstanden und ist ganz verliebt in Marabou, der ihrer Aussage nach der erste Hund ist, der die Untersuchung sichtlich genießt. Marabou halt, Hauptsache man macht was mit ihm. Ihm doch wurscht was das ist. Zwischenzeitlich hat Niels auch Loke eingehend betrachtet und festgestellt, dass sein Penis auf die 5fache Größe angeschwollen war. Er macht also gleich auch noch einen Termin für Loke mit dem Ärzteteam aus wenn es ruhiger im CP geworden ist.                                                             

Nachdem wir grünes Licht vom Tierarzt bekommen haben hebe ich Escala in eine stehende Position und ziehe den Anker. Escala hat das effektivste Ruheverhalten von allen, schlafen bis zur letzten Sekunde. Eine wunderbare junge Hündin, die mich immer mehr begeistert je weiter wir kommen. Auch Schwester hat jetzt den Sinn des CP’s verinnerlicht und liegt sobald wir ankommen.

 

 

Kurz nach der Ankunft im CP Nyborg
Kurz nach der Ankunft im CP Nyborg
Ein Hundeklumpen: Jenna, Emil, Milka & Escala
Ein Hundeklumpen: Jenna, Emil, Milka & Escala
Emil von Superhund
Emil von Superhund
Die Schwester - Gib mir ne Sekunde
Die Schwester - Gib mir ne Sekunde

 

Etappe 4: Nyborg – Masjok1 (54km)

 

Diesen Teil des Rennens kennen wir noch von vor 2 Jahren, wo wir das 150km-Rennen mitgefahren sind. Ich weiß also in etwa was auf uns zukommt.

 

Wir verlassen Nyborg mit 7 munteren Hunden und einem müden Musher
Wir verlassen Nyborg mit 7 munteren Hunden und einem müden Musher

 

Aber dieses Wissen bereitet mich nicht im Geringsten darauf vor, was wirklich passiert auf dieser Strecke. Erst läuft alles gut, es sind zwar steile Anstiege dabei und ein Teilabschnitt mit sehr starkem Seitenwind, aber außer schwitzen und müden Beinen ist die Lage ruhig. Wir erreichen den Tana Fluss und biegen nach ein paar Kilometern auf den Masjok Fluss ein. Dann ein Schild ‚Willkommen im Checkpoint Masjok‘. Wunderbar, gleich geschafft denke ich optimistisch. Doch dann ging es los. Der Trail führte wider erwarten nicht direkt zum CP, sondern in ziemlich engen Kurven durch den Wald mit mehreren Freiflugabschnitten für den Schlitten, weil die Abfahrten so steil waren. Grüße an die Handgelenke. Nach einer gefühlten Ewigkeit fahren wir auf eine senkrechte Steilwand zu. Ganz oben sehe ich grade so noch den Schlitten meiner Vorfahrerin verschwinden. Ich halte erst mal an, schaue nach oben und denke… NEIN NEIN NEIN! Das kann nicht sein! Da hoch??? Ca 30 Meter ging es fast senkrecht nach oben. Ohne den Schlitten zum dran festhalten wäre man gar nicht erst hoch gekommen. Die Hunde ziehen, ich schiebe, trotzdem rutschen wir langsam zurück. Irgendwie geht es dann doch und dann hat mich ja fast der Schlag getroffen. Vor uns liegt ein steil ansteigender Grat. Etwas breiter als die Kufen eines Schneemobils, rechts und links geht es senkrecht runter, der Trail abschüssig nach links. Hier hilft aber wirklich nix, zurück geht nicht, auf gar keinen Fall, wir müssen also weiter. Mir wird ganz anders. Ich laufe auf der nicht abschüssigen Seite neben dem Schlitten und halte ihn krampfhaft fest. Und dort wo es am kritischsten ist für den vollgepackten Schlitten, bleiben die Hunde plötzlich stehen. Ich werde leicht panisch. Es fühlt sich an wie Stunden, waren aber vermutlich nur Sekunden. Dann geht es weiter, Marabou macht nen richtigen Männerjob hinten und zieht was das Zeug hält. Einen starken Rüden hinten zu haben bringt gewisse Vorteile mit sich. Dann sind wir oben. Ich bin jetzt wach, aber sowas von. 200 Puls hab ich, wenn das reicht. Und einen plötzlichen Parkinson-Schub ebenfalls. Als wir nach ein paar Kilometern dann endlich am CP ankommen zittern mir immer noch die Hände. Wenn es diese Strecke wieder runter geht später, dann beschließe ich aufzugeben. Das ist meiner Meinung nach einfach nicht unfallfrei möglich. In Masjok werden wir 2 mal sein. Auch hier sind keine Handler erlaubt. Im Schlitten befindet sich also die doppelte Menge Futter. Das Essen für den zweiten Aufenthalt hier darf als Depot zurückgelassen werden am Liegeplatz. Nun bringe ich aber erst mal die Hunde ins Bett. Sie haben sich ihre Mütze voll Schlaf mehr als verdient. Danach versorge auch ich mich und kann sogar auf einem Campingstuhl am Ofen sitzend ein paar Minuten schlafen.

 

 

 

 

Etappe 5: Masjokrunde (53km)

 

 

Diese Etappe hat es wettertechnisch in sich. Erst kommt der berühmt berüchtigte lange steile Anstieg. Ich koche in meinem eigenen Saft, weiß nicht mehr wie ich ein Bein vors andere setzen soll. Es geht kaum noch, man ist eh schon müde und dann diese Anstrengung. Aber man muss den Hunden helfen, egal wie. Also geht es weiter bergauf, keuchend nach Luft ringend, man sieht schon Sternchen, es ist heiß in der Jacke. Plötzlich ein Schild welches in der entgegengesetzten Richtung am Trail Richtung bergab steht: Achtung 45% Gefälle!!! Mitten in diesem mörderischen Anstieg plötzlich ein Trompetensolo von der Schwester. Ein Schrei und sie schmeißt sich ins Geschirr. Diese winzige Hündin hat grade eine Energieexplosion. Ich kann nur staunen. Sie ist nur noch halb so groß wie sonst und zieht den schweren Schlitten fast alleine den Berg hoch. Was für eine geile Aktion. Noch nie war ich so froh, dass mich dieser Hund so nervt mit ihrem ständigen trompeten. Nicht nur dieses eine Solo auf dem Trail, auch zuverlässig aus jedem CP hinaus hat sie ihre Fanfare geblasen und das Team mobilisiert und motiviert. Die kleine Stressnudel wurde von Etappe zu Etappe immer besser. Als wir endlich oben auf dem Berg waren gab es den lang ersehnten Thermosbecher Tee für mich (mit einem Schluck ist ein halber Liter weg) und Snacks für die Hunde. So eine Leistung muss belohnt werden. Tja, und oben auf dem Berg war dann Sturm. Nix besonderes für diese Region und die Menschen die dort leben, aber eine krasse Nummer für mich. Bei mir daheim gibt es Sturm selten und wir haben somit selten die Möglichkeit das zu trainieren. Aber wofür hat man schließlich Emil??? Der lief unbeirrbar immer weiter, schaute sich nicht einmal um. Jenna hat sich ein Beispiel an ihm genommen und diese Herausforderung souverän gemeistert. Alle Hunde haben sich stoisch dieser Aufgabe gestellt und ob der Wind von vorn oder von der Seite kam, die Hunde liefen immer vorwärts und weiter. Irgendwann war auch dieser Teil des Weges zu Ende und wir erreichen den Wald und somit auch den steilen Abstieg. Runter ist aber immer leichter als hoch. Rauf auf die Bremse, gut festhalten und huiiiiii, schon ist man unten. Und dann waren wir auch schon wieder zurück in Masjok, wo wir zu unserem alten Liegeplatz geleitet wurden. Pause!!! Redlich verdient. Ich würde den Hunden gern länger Pause gönnen, aber sie sind prinzipiell fit und wir sind bei einem Wettkampf. Da geht man über seine Grenzen drüber, dafür sind Wettkämpfe meiner Meinung nach da.  Keiner der Hunde machte einen schlechten Eindruck, sie zeigen lediglich die normale Müdigkeit und nutzen die Pausen optimal. Ein bisschen zu optimal, denn schlafen ist wichtiger als Essen. Bloß gut dass mein Team ein bisschen zu fett beim Start war und gute Reserven hatte. Ich hatte also keinen Grund beunruhigt zu sein.

 

Während meinem Aufenthalt im CP wurde diskutiert, ob man die Masjokrunde wegen dem Sturm nicht ausfallen läßt für die Juniorklasse. Des Weiteren kam ein bereits gestartetes Team wieder zurück weil keiner der Hunde mehr weiter laufen wollte und noch ein anderes Team hat auf der Spur notfallmäßig pausiert. Ich empfand den Sturm zwar als stark, aber nicht bedrohlich. Emil hatte die Lage schließlich fest im Griff. 

 

 

 

 

Etappe 6: Masjok 2 – Nyborg Ziel (47km)

 

Mitten in der Nacht machen wir uns auf den Heimweg. Die Hunde haben zwar keine Lust mehr weiterzulaufen, stehen dann aber doch auf als ich das Startkommando gebe und laufen ohne zu murren los. Dieser Teil der Strecke ist der schwierigste für die Hunde. Durch den Wind ist der Trail zugeweht und in dem verwehten Schnee haben die Hunde wenig Halt. Auch ich rutsche oft weg beim Mitanschieben. Auf dem Fluß haben wir erst mal kräftigen Gegenwind, dann kommt ein steiler Aufstieg der es nochmal richtig in sich hat. In gleichbleibendem Abstand hinter uns ein weiteres Gespann. Wieder der böse Sekundenschlaf. Ich hab das Gefühl ich war mehr am Schlafen als wach. Dann an einer Stelle sieht Emil den Trail nicht mehr und biegt in den Tiefschnee ab. Wir stecken fest. Das Gespann hinter mir schafft es auf dem Trail zu bleiben als ich hektisch winke und fährt an mir vorbei. Das wäre mein 10. Platz gewesen, aber wäre wäre, Heidelbeere. Erst mal meine Hunde aus dem Tiefschnee raus holen und zurück zur Spur bringen. Die kleine Jenna kam kaum vorwärts. Eine Anstrengung die keiner mehr gebraucht hätte. Wieder auf dem Trail sind wir schon bald runter vom Berg und ich werde so müde, dass ich jetzt wirklich Maßnahmen ergreifen muss. Ich angele also nach der Schokolade und fange an, mir stetig Schoki in den Mund zu stopfen. Plötzlich höre ich Hunde… Und sehe Lichter… und da ist das Ziel vor uns.

 

Auf der Zielgeraden
Auf der Zielgeraden

 

Ich war völlig verwirrt und überrascht, aber nichtsdestotrotz extrem froh. Ich pfeife den Hunden und alle mobilisieren nochmal ihre letzten Kräfte und laufen im Galopp auf der Zielgeraden ein. Was für ein Gefühl! Wir haben es geschafft mit 7 gesunden Hunden die nicht am Ende ihrer Kräfte waren. Niels nimmt uns in Empfang und bringt uns zum Hänger. Dort beglückwünschen wir uns alle selber, die Hunde bekommen Snacks und Wasser und dürfen endlich in den Hänger. Ich stehe völlig neben mir, bin totmüde aber gleichzeitig völlig aufgekratzt.

 

 

Nachdem wir notdürftig unsere Sachen weggeräumt haben gibt es erst Frühstück und dann Zähne putzen. Wow was für ein geiles Gefühl. Herrlich! Als ich am Tisch sitze mit einem Becher Tee in der Hand, und dieser dann auf meinem Pulli landet weil ich einschlafe packt mich mein Superhandler Niels umgehend ins Bett. Keine Diskussion, der Schlafsack liegt bereits ausgebreitet auf einer der Matratzen im Schlafsaal. Ich krieche rein, ärgere mich noch kurz über meine Mitbwohner die Türen knallen, laut reden und ziemlich laut umherstapfen und drifte dann ab ins Nirwana. Vom restlichen Türen schlagen hab ich genauso wenig mitbekommen wie von einem ‚Lebst du noch Check‘ von Niels.

Am Nachmittag beschließen Alex, Niels und ich, dass wir die Siegerehrung auslassen und stattdessen heimwärts fahren mit dem Rest Tageslicht. Wir finden Alex seine Idee super, noch nen Burger bei der Tankstelle gemeinsam zu essen. Bloß dass wir die Tankstelle bei uns zuhause meinten und Alex die Tankstelle vor Ort meinte. Nun gut, Alex hat also in Varangerbotn gegessen, wir in Hesseng bei der Esso. Von dort aus ging es dann gemeinsam ins Pasviktal zu Stefan nach Hause. Stefans Hunde raus aus dem Hänger, fliegender Wechsel und meine Daheimgebliebenen rein in den Hänger. Während Alex und ich direkt zu mir nach Hause gefahren sind hat Niels bei Ivar gestoppt und die Pinscher eingesammelt.

 

Milka und ich - endlich daheim!!!
Milka und ich - endlich daheim!!!

 

 

Fazit:

 

Am Ende ist es ein 11. Platz geworden von insgsamt 25 gestarteten Teams. 16 Gespanne sind ins Ziel gekommen, 9 mussten aufgeben.

Das ganze Training in den letzten Monaten hat sich ausgezahlt, jedes Mal den Schweinehund überwinden hat sich ausgezahlt. Die Hunde waren fit und gut vorbereitet. Alle standen gut im Futter, keiner war kritisch dünn nach dem Rennen, keiner hatte Durchfall. Es war ein hartes Rennen mit vielen verschiedenen Herausforderungen, aber die Stimmung war einfach gut. Musher und Handler die sich gegenseitig helfen, nette Gespräche, das ganze Rennen war gut organisiert, der Trail an allen Stellen gut markiert. Falsch fahren ohne es zu merken ging eigentlich gar nicht. Trotzdem glaube ich, dass ich das nicht jedes Jahr wiederholen muss. Alle 2 Jahre reicht vielleicht ja auch! :-)