Pasviktrail, 22./23. März 2018

 

Teilnehmer:  16 in der 8er Klasse

Platz: 2

 

Vorbereitung und Start:

Je näher das Rennen rückt desto unsicherer werde ich. Soll ich wirklich mitfahren oder doch lieber noch einen Rückzieher machen? Die Hunde hatten einen kleinen Durchhänger, viele Touren mit 2 Minigespannen und dann auch noch massenweise Neuschnee hat auf die Motivation gedrückt. Als tragendes Element im Team war schließlich auch noch Jenna verletzt und Loke fand es viel erstrebenswerter in der Küche zu liegen und seine Erfrierung an der Vorhaut gründlich auszukurieren anstatt sich durch den Tiefschnee zu quälen.  Der ältere Herr sah nicht so aus, als ob er große Lust auf ein Rennen hat.

Ohne Jenna und Loke würden mir dann noch 7 Hunde bleiben. Da aber diese 7 fit sind habe ich mich letztendlich für das Rennen entschieden; wir fahren einfach mal los und schauen was passiert. Man kann ja jederzeit abbrechen wenn es zu mühsam wird. Auch Loke soll mit, je nach Tagesform habe ich geplant, ihn im ersten, maximal im 2. Checkpoint aus dem Rennen zu nehmen. Die Vorbereitungen haben diesmal deutlich besser geklappt als beim ersten Rennen. Ich habe früher angefangen und hatte noch alles beisammen nach dem Bergebyløpet. So sind wir also entspannt zum Start gefahren nach dem Motto ‚Wir wollen ins Ziel kommen und besonders schön wäre eine Verbesserung im Vergleich zum Rennen vor 2 Jahren‘ wo wir auf dem 6. Platz gelandet sind.

 

 

Wir finden einen guten Parkplatz und lassen uns auf der Rennvorbesprechung berieseln. Es bleibt uns noch massig Zeit bis zum Start, also bauen wir das Stakeout auf, lüften, wässern und snacken alle Hunde.

 

von links: Marabou, Escala, Schwester, Emil, Isbjørn, Lava
von links: Marabou, Escala, Schwester, Emil, Isbjørn, Lava

 

Irgendwann bekommt die offene Klasse grünes Licht und kurz darauf dürfen die 8er Teams los. Ich spanne die Hunde an und während wir aufs Losfahren warten beißt Milka 2 Neckleinen durch. Milka hat noch niemals nicht eine Neckleine auch nur ins Maul genommen. Ist sie etwa im Rennmodus??? Kann es wirklich wahr sein??? 2 Teams fahren vor uns zur Startlinie und alle warten gespannt die letzten  paar Sekunden ab bevor wir endlich los dürfen. Dann geht es schnell, Team 1 weg, Team 2 weg, wir weg. Yeahj.

 

 

 

 

Etappe 1: Start – Vaggetem (66km):

Bis wir das erste Mal die Straße überqueren fahren wir gemütlich hinter einem anderen Gespann her. Dann kommt ein kleiner See mit etwas breiterer Spur und wir fahren vorbei. Ein weiteres Team kommt kurz darauf in Sichtweite und auch dieses Gespann lassen wir fürs erste hinter uns. Die Hunde sind in Form und finden schnell ihren Rhythmus. Nach ca 20 km überholen wir das letzte Gespann der offenen Klasse. Das war der letzte Überholvorgang in diesem Rennen für uns. Eigentlich schon fast ein bisschen langweilig… Die Hunde galoppieren alle locker vor sich hin und die Landschaft fliegt an uns vorbei. Die erste Etappe hat keine Steigungen und die Spur ist besser als befürchtet. Ich lasse die Hunde also laufen so wie es ihnen am besten passt. Im Nachhinein betrachtet  die klügste Entscheidung des ganzen Rennens. Kurz bevor wir das zweite Mal die Straße kreuzen trifft der Trail auf einen Forstweg der kürzlich für den Holztransporter geräumt wurde. Es war also nicht nur eine scharfe 180°-Kurve zu fahren, es ging zusätzlich auch noch in der Kurve einen ordentlichen Absatz runter. Ich bremse also, komme einen kleinen Tick zu langsam in die Kurve rein, die innere Kufe des Schlittens kommt in den Tiefschnee neben der Spur und wir kippen um. Was erstmal nicht weiter schlimm war, denn ich hänge am Schlitten dran. Dass der Schlitten nun weiter zur Außenseite driftet hat mich ein wenig unvorbereitet getroffen, denn plötzlich näherten wir uns einem Schneeberg den der Radlader beim räumen aufgetürmt hat. Wir hören nicht auf zu driften und da stecke ich auch schon mit dem Kopf voran in besagtem Schneeberg und konnte den Schlitten nicht länger festhalten ohne mir die Arme auszukugeln. Shit, und sowas passiert natürlich ausgerechnet bei nem Rennen, ganz toll. Ich ziehe also den Kopf aus dem Schnee und rufe den Hunden noch hinterher dass sie bitte anhalten mögen, aber das interessiert keinen. Während dem Sturz hatte sich glücklicherweise der Anker vom Schlitten gelöst, fand aber keinen Halt auf dem geräumten Weg. So schnell es die dicken Stiefel erlauben spurte ich meinen Hunden hinterher. Vielleicht 100m weiter kommt schon die Straßenüberquerung, da sind also Menschen. Es ist zwar peinlich für mich, aber es hätte uns nichts Besseres passieren können in dieser Situation. Diese Menschen an der Straße haben nämlich den Schlitten eingefangen und nach einem kurzen Hundecheck geht die wilde Fahrt auch schon weiter. Ab jetzt wird die Strecke etwas langweiliger, ein kurzes Stück fahren wir noch auf einem Moor und dann liegt der Pasvikfluss vor uns. Dort wo wir auf den Fluss drauf fahren läuft die Straße ein Stückchen parallel zur Spur und das Auto was grade angefahren kommt ist doch tatsächlich Ottilie mit Niels drinne. Wie lustig. Mittlerweile dämmert es auch ganz ordentlich und der ein oder andere Musher hat bereits sein Kopflicht eingeschaltet. So auch das Team hinter mir. Wir haben einen Vorsprung, aber nicht mehr als schätzungsweise 2km. Gut, solange wir diesen Vorsprung halten können bin ich zufrieden. Irgendwann taucht vor uns ein Rentierzaun auf. Den kennen wir schon. Was wir noch nicht kennen und was uns auch keiner gesagt hat, das normalerweise geöffnete Tor wurde erneuert. Und nun hängen Plastikstöckchen wie ein engmaschiger Vorhang in der Durchfahrt. Also gut, wir sollen wohl da durch. Emil und Marabou zögern keine Sekunde und schon hab ich überall Stöckchen im Gesicht hängen. Was für feine Leithunde ich doch habe. Scheinbar aus dem Nichts heraus taucht vor uns ein Gespann auf. Da ich alle Gespanne aus meiner Klasse überholt habe muss es also ein langsames Gespann der offenen Klasse sein. Wir sind also ganz schön flott unterwegs. Mit Einbruch der Dunkelheit wird es auch merklich kälter. Ich beginne zu frieren. Aber was ist denn das? Hundegebell? Lichter die schnell näher kommen? Ja, direkt vor uns der Checkpoint. Wie cool, wir kommen als erstes Gespann unserer Klasse dort an. Egal wie es von jetzt an weiter geht… wir haben zumindest auf Etappe 1 geführt. Da ich meine Hunde mittlerweile ganz gut kenne und vom Bergebyløpet gelernt habe gebe ich im ersten Checkpoint keine volle Mahlzeit. Die Hunde sind weder müde noch besonders hungrig und würden zum Großteil nicht fressen. Sie bekommen also Wasser und eine ordentliche Scheibe Rinderherz. Na das schmeckt, alle hauen rein und sind zufrieden. Danach Mäntelchen an und Stroh verteilen. Schwester findet natürlich keine Ruhe, sie muss sich genau anschauen was um sie herum passiert. Die Rookies Lava und Isbjørn wissen auch nicht was sie jetzt hier sollen und stehen planlos in der Gegend rum. Für mich gibt es nicht mehr viel zu tun und ich selber hab nun auch Hunger. Also verlassen Niels und ich die Hunde und lassen uns in einer kleinen Grillhütte am Feuer nieder und versorgen uns selbst mit Essen und besprechen wie die Etappe lief und wie, bzw. wann es weiter geht.

 

 

Emil und Marabou haben vorn einen super Job gemacht und das Tempo konstant gehalten. Schwester weiß wenn es um was geht und arbeitet ordentlich mit. Über Escala brauchen wir nicht zu reden, sie läuft und läuft und läuft und niemals ist die Leine schlaff. Was für ein Hund!!! Isbjørn brauchte eine ganze Weile um in Gang zu kommen. Wirklich überzeugen kann sie allerdings nicht. Zu oft ist keine Spannung auf der Leine. Das Tempo scheint für sie kein Problem zu sein, sie läuft ganz locker mit, trägt aber kaum was bei. Vielleicht wird es auf dem Weg nach Neiden besser, dort erwarten uns viele Anstiege und das Tempo wird erheblich langsamer werden. Lava sticht auf dem Trail nicht heraus, er macht einfach seinen Job. Allerdings habe ich noch keinen Hund im Gespan gehabt, der so hungrig ist und so begeistert frisst. Ich bin gespannt ob er sich seinen Appetit erhalten kann wenn die Müdigkeit reinhaut. Dann hören nämlich einige meiner Hunde auf zu fressen und schlafen lieber.  Milka ist im Rennmodus und sie arbeitet konstant und freut sich. Eine Freude diesem Hund mit diesen unglaublich schönen und flüssigen Bewegungen zuzuschauen. Und last but not least Loke, der mit fast 9 Jahren älteste Hund im Team. Tja, Loke… der der eigentlich hier raus sollte. Der der eigentlich so wenig Lust hatte. Der der die ganze Strecke wie ein geisteskranker mitgearbeitet hat. Loke geht also noch mit mir mit durch die Berge. Ich freue mich, ein starker Rüde mehr oder weniger macht einen riesen Unterschied. Niels und ich machen also nen Zeitplan. Da die Hunde nur eine leichte Mahlzeit bekommen haben und nicht wirklich müde sind will ich nicht länger als 2.5 Stunden hier bleiben. Die nächste Etappe wird sehr lang und anstrengend werden und sollte die Sonne am nächsten Tag scheinen und die Trails wieder aufweichen werde ich um jeden Kilometer froh sein, den wir in der Nacht zurückgelegt haben.

 

Etappe 2: Vaggetem – Neiden1 (94km)

Als ich zurück zu den Hunden komme haben sich Lava und Isbjørn auch hingelegt. Lediglich Schwester sitzt auf ihrer Ausguckposition und kommentiert fleißig, wenn Gespanne der offenen Klasse weiter fahren. Ganz klar, die Schwester will weiter. Ein kurzer Blick aufs Gespann, Loke nochmal extra anschauen ob er wirklich ok ist, Socken anziehen und schon sind wir bereit zur Weiterfahrt. Schwester läuft jetzt mit Emil vorn, denn Marabous Stärke wird hinten benötigt um die Berge hochzukommen und um Loke zu entlasten. Die ersten 15km muss ich mit Bremsmatte fahren, die Hunde sind viel zu schnell. Bevor wir den Fluss verlassen und in Richtung finnische Grenze abbiegen sehe ich ein sehr schnell näher kommendes Kopflicht hinter mir. Der Gewinner der offenen Klasse fährt zügig an uns vorbei und wart nie mehr gesehen. Die Nacht ist klar und kalt, der Halbmond scheint und die Nordlichter tanzen. Besonders schön anzuschauen auf dem See Lille Spurvvatnet. Noch geht die Reise durch lichte Wälder, Moore und über ein paar Seen, doch wir nähern uns der finnischen Grenze und müssen das erste Mal richtig klettern. Ein langer Anstieg führt uns zum Grenzzaun, ein paar Kilometer Verschnaufpause in ebenem Terrain und dann geht es los. Berg hoch, Berg runter, Berg hoch, Berg hoch, Berg hoch, Berg hoch… hört das eigentlich nie auf??? Mir ist mittlerweile ziemlich warm geworden und ich muss kurz anhalten um die Daunenweste auszuziehen. In der recht losen Spur hält der Anker nicht richtig gut und als die Hunde anrucken löst sich der Anker. Ich denke ich stehe auf dem Anker drauf, leider ist das nicht ganz der Fall. Mein Fuß steht ein kleines Stück vor dem Anker und durch das Anrucken der Hunde pflügt der Anker durch den Schnee direkt in meinen Stiefel hinein. Da steckte er dann fest, ich hüpfte mit dem anderen Fuß auf die Bremse und stand dann da, mit dem Anker im Stiefel. Glücklicherweise war nur der Überschuh  betroffen und sowohl Innenschuh als auch Fuß blieben unversehrt. Mehr Spannendes ist nicht mehr passiert. Wir fahren und fahren und nähern uns theoretisch dem nächsten Checkpoint, bloß dass es sich in keinster Weise so anfühlt. Berg hoch, Berg runter… Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit dann eine Abfahrt die steiler ist als die anderen, dann noch eine… ich sehe den Funkturm der in der Nähe des Checkpoints steht. Wir scheinen es bald geschafft zu haben. Da vorn auch schon die Straße, dann übers Moor bis wir an den Neidenfluss kommen. Dort wundere ich mich, was da wohl komisches auf dem Trail liegt. Es sieht aus wie Schafsknödel… Komisch, welcher Hund kackt denn Schafsknödel??? Zu diesem Zeitpunkt bin ich schon ziemlich müde wohlgemerkt. Direkt vor uns auf dem Trail tauchen die Verursacher der Knödel auf, 2 Rentiere die mitten auf der Spur rumstehen und uns ziemlich dumm angucken. Die Hunde haben die Rentiere natürlich auch direkt erspäht und sind sofort hellwach. Ich kann nur noch auf die Bremse springen und hoffen, dass die blöden Rentiere den Weg frei machen. Weil anhalten geht nicht. Die Rentiere verlassen glücklicherweise den Fluss und ich habe das Gespann wieder unter Kontrolle. Vor uns taucht auch schon der Checkpoint auf und wir freuen uns sehr endlich da zu sein.

 

 

Irgendwie haben wir es geschafft, dass uns kein Gespann meiner Klasse überholt hat, wir liegen also immer noch auf Platz 1 und fühlen uns dort sehr wohl. Lava überzeugt immer noch durch seinen Appetit. Auch Isbjørn stürzt sich aufs Essen als ob es noch nie was gegeben hätte. Bis auf Schwester fressen alle bis auf den letzten Krümel auf. Aus der Hand nimmt sie dann doch gnädig ein paar Fleischbröckchen und ein bisschen Energy-Paste. Es sind nun alle Hunde müde genug um sich abzulegen. Es ist immer ein friedlicher Anblick, wenn das Gespann wohlversorgt im Stroh zusammengerollt ist und schläft. Emil  hat sich seinen Platz zwischen den 3 Weibern mal wieder gesichert und ist höchst zufrieden. Während ich die Hunde versorge kommen auch ein paar andere Gespanne angefahren. Jetzt machen wir eine längere Pause nach dieser Anstrengung und da Niels 2 Betten in einer der Musher-Hütten gesichert hat können auch wir beide für 2 Stunden ins Koma fallen.

 

 

 

Etappe 3: Neiden Runde (58km)

Als der Wecker klingelt bin ich zerstörter und müder als zuvor. Wie? Aufstehen? Jetzt? Wieder auf den Schlitten??? Welcher Idiot hat sich das denn ausgedacht? Ich fühle mich als ob ich 90 Jahre alt bin, alle Muskeln tun weh vom vielen Mithelfen.

 

 

Aber hilft ja nix. Bisher fahren wir völlig unerwartet ein klasse Rennen und der Ehrgeiz treibt mich dann doch an. Wenn es nach den Hunden gehen würde, könnte die Pause ruhig noch länger sein, aber alle sind nach kurzer Zeit so wach dass wir bereit für die 3. Runde sind. Das Wetter ist sehr wechselhaft, Sonne und Schnee. Es ist recht warm und wir kommen schon bald ganz schön ins Schwitzen. Direkt vor uns ist Jon aus der offenen Klasse gestartet und schon bald sehen wir ihn vor uns auf der Spur. Jons Hunde sind noch nicht richtig in Fahrt gekommen, so überholen wir und sind allein auf weiter Flur. Wir folgen dem Heimweg für ca 30km und biegen dann ab um wieder mitten auf der Spur der 2. Etappe raus zu kommen. Also nochmal die Berge hoch und runter quälen, nochmal Richtung Neiden Checkpoint fahren. Isbjørn arbeitet gar nicht mehr und läuft irgendwann sehr merkwürdig. Es sieht fast wie Sekundenschlaf aus. Sie wird sehr unsicher und kommt öfter mal in den Tiefschnee. Ich kann mir gut vorstellen, dass für sie das Rennen vorbei sein wird im nächsten Checkpoint. Kurz bevor wir die Straße kreuzen taucht hinter uns ein Gespann auf. Maren aus der 8er Klasse. Ihre Hunde sind in super Form, überholen uns und der Abstand zwischen uns vergrößert sich schnell. Wir laufen auf Platz 2 in den Checkpoint ein und wir sind sehr froh darüber, dass diese Etappe geschafft ist.

 

Bis auf Schwester fressen alle gut, Marabou und Loke sind scheinbar nicht so müde und graben riesige Löcher. Neiden war vor kurzem Checkpoint für ein anderes Rennen und im Schnee versteckt finden sich Futterreste von dem Team welches vor uns hier geparkt hat. Loke sieht immer noch so aus, als ob er fit ist… Ich kann es kaum glauben, aber es sieht tatsächlich so aus, als ob er das Rennen fertig laufen will. Aber jetzt ist erstmal Pause und Entscheidungen bezüglich Hunde aus dem Rennen nehmen können noch warten. Niels hüpft ins Auto und düst schnell nach Finnland während ich die Hunde versorge. Kurze Zeit später steht eine Portion dampfender Kartoffelbrei und ein Hähnchenschenkel vor mir. Wie ein hungriger Wolf stürze ich mich auf das Essen. Danach bleibt noch Zeit für ein kurzes Nickerchen.

 

Etappe 4: Neiden 2 – Ziel (84km)

Als wir uns dem Hundebereich nähern sehen wir schon von weitem 2 Ärsche in Verbindung mit 2 Köpfen die in den gegrabenen Löchern stecken und fröhlich weiter graben. Loke und Marabou sind scheinbar nicht müde. Ich laufe ein kurzes Stück mit Loke um zu gucken, ob er humpelt oder sehr steif ist, aber alles ist in bester Ordnung. Jeder Hund, der aus dem Team genommen wird muss vom Tierarzt angeschaut werden. Also winke ich einen der beiden Vets herbei um Isbjørn offiziell zu droppen. Mit dem Hund ist alles in bester Ordnung, sie ist lediglich erschöpft und ich möchte das Risiko nicht eingehen, dass sie später im Schlitten sitzt. In aller Ruhe bereite ich das Team auf die letzte Etappe vor. Eine letzte Runde Wasser, ein Snack ein bisschen Kuscheln, Socken an und dann können wir auch schon los. Während ich meine Jacke zumache und letzte Reste in den Schlitten werfe steht Niels bei den Leithunden und ist bereit uns zum Ausgang zu führen. Schwester ist auch bereit, sie trompetet fröhlich vor sich hin, Milka springt ins Geschirr. Auf Etappe 2 und 3 war der Rennmodus inaktiv, aber jetzt sieht es gut aus. Scheinbar ahnen die Hunde dass es jetzt heim geht.

 

 

Zügig galoppieren die Hunde aus dem Checkpoint heraus den Berg hoch zur Straße. Nach der Laufzeitkorrektur sitzt uns die Konkurrenz recht dicht im Nacken. Wir starten als 2. Team mit einer dreiviertel Stunde Rückstand auf Maren. Samuel und Mina dürfen 10, bzw. 14 Minuten nach uns raus. 10 Minuten auf 84 km ist jetzt nicht so viel. Können wir das schaffen? Wir werden es auf jeden Fall versuchen. ES ist mittlerweile nach 19.00 und es ist kalt geworden nach Sonnenuntergang. Der Trail ist erstaunlich fest und gut. Die Hunde sind gut drauf und laufen flott voran. Ich helfe mit wo immer ich kann. Verliere keine Zeit mit unnötigen Stops. Die nächste Pipipause für mich dann im Ziel. Bevor wir auf das höher gelegene Plateau fahren machen wir einen kurzen Snackstopp. Mit neuer Energie klettern wir den Berg hinauf und folgen einem Tal. Dort bekommen wir die Lightshow der Extraklasse. Wahnsinn wie die Lichter tanzen und den ganzen Himmel erleuchten. Alle Müdigkeit ist kurz vergessen, das Leben meint es so verdammt gut mit mir. Ein super Hundegespann, eine kalte Nacht unterm Nordlicht, die Konkurrenz zum größten Teil hinter mir und nicht direkt in Sichtweite. Wow. Wir bleiben noch eine ganze Weile in den Bergen, doch irgendwann müssen wir wieder runter ins Tal. Und wie es runter geht. Anhalten wäre gar nicht möglich, mit aller Kraft auf der Bremse stehend rasen wir den Berg hinunter. Ich kralle mich am Schlitten fest und hoffe dass alle Hunde unverletzt unten ankommen. Meine Hände zittern nach der Anstrengung des Festkrallens als wir unten sind. Aber jetzt nähern wir uns unserem Trainingsgebiet, wir sind also nicht mehr weit weg vom Ziel. Ich schaue zurück und da sehe ich ein Licht den steilen Berg runter rasen. Oh je, wer ist mir denn da so nah gekommen ohne dass ich es gemerkt habe? Ich lege mich ins Zeug und helfe den Hunden nun auch auf grader Strecke. Noch traue ich mich nicht, sie anzufeuern. Dafür sind wir noch zu weit weg vom Ziel. Plötzlich sieht die Landschaft sehr vertraut aus. Ohne es direkt zu merken sind wir auf vertrautem Terrain. Ein letzter Snackstopp und dann aber gib ihm. Jetzt frage ich das Gespann nach mehr. Ein kleiner Durchhänger nach der steilen Abfahrt und da war das Kopflicht wieder zu sehen. Ich frage also und die Hunde antworten. Wir nehmen wieder Fahrt auf. Ich lasse sie nun auch etwas schneller die Berge runter laufen, jetzt kennen wir die Berge, jetzt kommen keine fiesen steilen Abfahrten mehr. Auf dem Sagvannet mache ich mein Licht aus um ungestört zu beobachten, was hinter mir passiert. Vielleicht einen Kilometer hinter mir ein Licht. Viel zu nah. Plötzlich ei zweites Licht, deutlich näher. Da hat sich wohl jemand im dunklen heimlich angeschlichen. Ich lasse mein Licht aus bis wir außer Sicht sind und dann frage ich die Hunde nach mehr. Und sie haben mehr gegeben. Sie rennen und ich kicke. Der Abstand zum nächsten Licht wird nicht mehr kleiner, eher größer. Genau lässt es sich nicht sagen. Weit genug weg, es kann reichen. Es wird reichen!!! Wir nähern uns der Spur die zu uns nach Hause abbiegt. Ich bin auf alles vorbereitet doch die Hunde fliegen den richtigen Trail entlang. Kurz vor dem Ziel fahren wir durch ein kleines Wäldchen. Plötzlich fliegen ein paar Vögel auf, das Gespann schießt los, Escala verheddert sich in der Leine. Ich muss kurz anhalten, alles wieder richten und weiter geht’s. Ohne nochmal extra anzufeuern sprinten die Hunde los. Im gestreckten Galopp aufs Ziel zu, über die Ziellinie!

 

 

Geschafft!!!  Niels nimmt uns in Empfang, Menschen gratulieren uns, ich kriege das alles nicht mit. Wir haben es geschafft, keiner hat uns überholt, wir haben unseren 2. Platz verteidigt. Wow was für eine letzte Etappe. Alle 7 Hunde waren einfach nur fantastisch. Marabou war ein bisschen müde zwischendrin aber er hat einen guten Deal vorgeschlagen. Auf grader Strecke nimmt er sich seine Pausen und wenn es steil wird arbeitet er für 2. Damit kann ich gut leben. Ohne Loke hätten wir diese Leistung so nicht erbringen können, er hat von Start bis Ziel gearbeitet und sich nur minimale Pausen genommen. Ein würdiger Abschluss seiner Karriere als Rennhund. Ab jetzt kann er die Vorzüge des Rentnerlebens genießen. Die kleine Schwester und Emil haben einen grandiosen Job vorne gemacht. Es macht so unglaublich stolz wenn die Hunde die man selber ausgebildet hat souverän die Rolle des Leithunds übernehmen. Milka war die ganze Etappe voll dabei, Escala ist sowieso ein Superhund und Lava hat sein erstes Rennen mit Bravour bestanden. Die Hunde, Niels und ich sind einfach ein ziemlich gutes Team. Jetzt ist die Rennsaison vorbei und den Rest vom Winter machen wir nur noch schöne Spaziertouren und binden die beiden Welpen ein bisschen mehr ins Training mit ein.

 

 

Als wir endlich zuhause sind, die Hunde ihr wohlverdientes Abendessen bekommen haben und ich mich endlich aus den dicken Klamotten schälen konnte hat Niels noch eine kleine Überraschung für mich. Er hat von meinem Nachbarn Ivar ein paar Stücke selbst gemachte Pizza bekommen  und die verschwinden frisch aufgewärmt um 3 Uhr morgens in meinem Bauch. Oh wie lecker. Um halb 4 morgens ist das Rennen nun komplett vorbei und ich liege endlich völlig abgekämpft aber satt und sehr zufrieden in meinem eigenen Bett, die beruhigend schnarchende Jenna neben mir.

 

 

Siegerehrung am Tag danach
Siegerehrung am Tag danach