Charakter

Blue ist ein Ein-Mann-Hund, der außer Frauchen nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Er zeigt die rassetypische Zurückhaltung gegenüber Fremden und legt diese auch nach besserem Kennenlernen  nicht zwingend ab. Hat man jedoch einmal sein Herz gewonnen, was nicht durch Bestechung mit Leckerlies funktioniert, ist er eine treue Seele mit Kuschelqualität. Seine größte Leidenschaft sind Bälle, am besten in Kombination mit Wasser. Er vergisst alles andere um sich herum, sobald er seinen Ball erblickt. Freiwillig würde er kein Ballspiel abbrechen oder das Wasser verlassen. Mit Artgenossen gleich welchen Geschlechts ist er normalerweise verträglich. Er mag selbstverständlich nicht jeden, aber Streit vermeidet er, wenn er kann. Gelegentlich lässt er sich zu einem Spiel mit anderen Hunden animieren, geht aber meist lieber seiner eigenen Wege. Andere Hunde werden für gewöhnlich nach kurzer Begrüßung ignoriert. Rehe und Hasen sind ihm völlig gleichgültig.

 

Blue hat stets guten Appetit und verschmäht wenig; Salatreste mit Joghurt-Dressing sind genauso begehrt wie Wurst- oder Käsereste sowie sein reguläres Futter. Auf sein Zeitgefühl ist Verlass – pünktlich zur Essenszeit steht er leise fiepsend und intensiv starrend vor der Futtertonne.

Als waschechter Pinscher versteht es sich von selbst, dass er sich selber zudeckt und unter der Decke schläft.

 

Seinen Wachinstinkt hat Blue nicht verloren. Er ist sehr aufmerksam und meldet lieber einmal zu oft als einmal zu wenig. Er redet nun mal gern. Für einen Einbrecher wäre es unmöglich, unbemerkt und unbeschadet in meine Wohnung zu gelangen. Blue würde ein Mitbringsel sicher nicht verschmähen, aber Zutrittsrechte können nicht erkauft werden. Besuch hingegen kann sich frei bewegen, ohne allzu offensichtlich überwacht zu werden. Menschen, die nicht zum engsten Kreis gehören, sind gut beraten, ihm keine Streicheleinheiten aufzwingen zu wollen. Situationen, aus denen er nicht ausweichen kann und wo ich nicht Rückendeckung gebend bei ihm bin, sind ihm höchst zuwider. In meiner Gegenwart fällt es ihm leichter, sich in unbehagliche Situationen klaglos zu fügen. So sind weder Tierarztbesuche noch überfüllte Straßenbahnen eine große Sache.

 

Blue ist begeisterter Autofahrer (muss er im Auto warten, dann selbstverständlich auf dem Fahrersitz) und auch am Hubschrauber fliegen hat er seine Freude. Er weiß sich überall zu benehmen, sei es im Restaurant, im Hörsaal, auf geologischen Exkursionen, im Hotel, im Zelt oder im hoffnungslos überfüllten Zug.

 

Vorbeifahrende Busse oder LKW mag er gar nicht, obwohl wir lange in der Stadt gewohnt haben und Verkehr zum Alltag gehörte. Schüsse hingegen lassen ihn völlig kalt. Alleine bleiben wollte Blue die ersten beiden Lebensjahre gar nicht gerne. Er hat niemals irgendetwas zerstört, aber gelegentlich sehr laut und ausdauernd auf seine missliche Lage aufmerksam gemacht. Die Lösung dieses Problems war schließlich der Zweithund.