Miteigentümerschaft - Was ist das?

Die Miteigentümerschaft (co-ownership) von Zuchthunden ist in Deutschland beim Deutschen Pinscher fast unbekannt, im Ausland gehört sie jedoch zur Tagesordnung. Im allgemeinen bedeutet dies, dass ein Züchter vielversprechende Welpen zu Sonderkonditionen (Sponsoring) abgibt und sich somit ein temporäres Zuchtrecht an den - für die Weiterzucht wertvollen - Hunden sichert.

Ein weiteres Ziel der Miteigentümerschaft ist zum Einen ein möglichst stressfreies Leben für den einzelnen Hund fern des Züchterrudels und zum Anderen ermöglicht es eine breitere Fächerung des engen Genpools beim Pinscher.

 

Ein Züchter kann nur einer bestimmten Anzahl an Hunden im eigenen Haus gerecht werden. Trotzdem ist er bemüht, einen möglichst breiten Genpool zu erzeugen/erhalten und eigenen Nachwuchs zu fördern. Gerade bei Hunderassen, denen der enge Genpool zunehmend Schwierigkeiten bereitet, ist es sehr wichtig, „frisches Blut“ zuzuführen, z.B. durch Importhunde oder durch Fremdverpaarungen im Ausland.

 

Gibt ein Züchter eigene Nachzucht in Miteigentümerschaft ab, bedeutet das nichts weiter als: ein vielversprechender Welpe wird zu Sonderkonditionen abgegeben, sowohl der Züchter als auch der neue Hundehalter sind Eigentümer des Hundes. Nur das alleinige Zuchtrecht liegt vorerst beim Züchter. Der neue Hundehalter verpflichtet sich, den Hund bei entsprechend positiver Entwicklung zuchtfertig zu machen. Die Kosten hierfür übernimmt der Züchter.

 

Im Falle einer Hündin hat der Züchter das Recht, diese für 1 oder 2 Würfe (je nach Absprache) zu sich zu holen. Ist der Zuchteinsatz beendet, geht die Hündin kostenfrei in den alleinigen Besitz der Hundehalter über.

 

Im Falle eines Rüden kann der Züchter den Rüden sowohl in seiner eigenen Zucht beliebig oft einsetzen als auch für Hündinnen anderer Zuchtstätten freigeben. Der Rüde lebt ausschließlich bei den Haltern. Im Regelfall kommen die Hündinnen zum Belegen zum Rüden. Wenn der Züchter mit dem Deckeinsatz des Rüden zufrieden ist, geht er in den alleinigen Besitz der Hundehalter inklusive Zuchtrecht über.

 

 

Besondere Hunde – besondere Verantwortung – besondere Konditionen

 

Eigene Erfahrungen mit Importrüden in Miteigentümerschaft:

 

Als Student war die Anschaffung eines Rassehundes vom Züchter für mich erst einmal eine finanzielle Hürde. Einen Rüden in Miteigentümerschaft zu übernehmen war ein mehr als glücklicher Zufall für mich.

 

Blue und Devil wurden als Welpen vom Zwinger Dark Angels im Ausland eingekauft und nach Deutschland importiert. Da es für einen Züchter mit mehreren intakten Hündinnen oft sehr schwierig ist, einem Rüden unter diesen Umständen ein stressfreies Leben zu ermöglichen, wurde für Blue und Devil ein anderes Zuhause gesucht.

Der Deal ist einfach: Die Hunde leben bei mir, gehören aber auf dem Papier zum Zwinger Dark Angels (Zuchtrecht eingeschlossen).

 

Meine Verpflichtung ist es, die Hunde zuchtfertig zu machen und entsprechende Untersuchungen zu gegebener Zeit zu veranlassen. Nach derzeit aktuellem Stand der Zuchtordnung hieß das 3 Ausstellungen im zuchtfähigen Alter (also ab 15 Monate) mit mindestens der Bewertung ‚gut‘, sowie die Untersuchung der Hüfte per Röntgenbild auf HD ab einem Mindestalter von 12 Monaten. Zusätzlich werden die Augen der Hunde regelmäßig auf wahrscheinlich erbliche Krankheiten untersucht. Per DNA-Test wurde der Status von ‚Dilute‘ und ‚von Willebrand Disease‘ bestimmt. Bei Devil wurde ein weiterer DNA-Test gemacht um den Status der Farbe ‚Braun‘ zu bestimmen.

Als Rüdenhalter bin ich nicht verpflichtet, zusätzliche Ausstellungen zu besuchen. Alles was über die Zuchtzulassung hinausgeht, geschieht aus reiner Freude am Ausstellen des Rüden.

 

Devil wird bester DP-Rüde in Luxemburg, März 2011
Devil wird bester DP-Rüde in Luxemburg, März 2011

 

Der Züchter kommt für alle Kosten auf, die die Zuchtzulassung betreffen (Kaufpreis, evtl. Transport nach Deutschland, alle Gesundheitsuntersuchungen, Ausstellungskosten).

Alle laufenden Kosten, den Hund selber betreffend, fallen in meinen Zuständigkeitsbereich (Futter, Tierarzt, Steuern, Haftpflicht, usw.) wie im Regelfall bei einem normalen Hund auch. Mitglied im Zuchtverband brauche ich nicht zwingend selbst zu werden.

 

Da Blue sich nicht wie erhofft entwickelt hat, haben die Züchter und ich gemeinsam entschieden, dass er sich nicht als Zuchthund eignet. So ist Blue zu Sonderkonditionen vollständig in meinen Besitz übergegangen.

 

Bei dieser besonderen Art der Hundehaltung hat man zwangsläufig recht engen Kontakt zum Züchter. Ein gewisses Maß an Sympathie und Vertrauen ist beiderseits notwendig, da für den Züchter nicht nur Daten und Fakten wichtig sind, sondern auch ein möglichst detaillierter Einblick in die charakterliche Entwicklung des Hundes. Probleme aller Art werden besprochen - man muss ehrlich miteinander umgehen. Von Vorteil ist daher auch die rundum Betreuung und Unterstützung seitens des Züchters bei allen anfallenden Fragen.

 

Man hat eine besondere Verantwortung, der man gewissenhaft nachkommen sollte. Der Züchter vertraut einem immerhin einen ganz besonderen Hund an, die für seine Zuchtziele wertvoll und einzigartig sind.

 

Dass solche Tiere nicht einfach kastriert werden dürfen, liegt auf der Hand. Entscheidungen, die mit der Fertilität in Zusammenhang stehen, dürfen in diesem Fall nicht im Alleingang entschieden werden.

 

Wer jetzt denkt, dass er ganz leicht und kostenfrei an einen Rassehund kommt, der irrt sich. Zum Einen gibt es Importe und Hunde in Miteigentümerschaft nicht wie Sand am Meer und zum Anderen ist es zeit- und arbeitsintensiv, den Hund optimal auf Ausstellungen vorzubereiten. Ein bisschen Spaß am Ausstellen und am Zuchtgeschehen wäre wünschenswert und von Vorteil.

 

 

Wurde Ihr Interesse für diese besondere Art der Zuchtunterstützung geweckt? Unternehmen und erleben Sie gerne etwas mit Ihrem Hund zusammen? Ist es für Sie vorstellbar, dass der eigene Hund zunächst formal dem Züchter gehört?

Ist dies der Fall, lohnt es sich über diese Möglichkeit der Hundehaltung nachzudenken. Fragen beantworte ich jederzeit gerne.