Flicka

Ich kam zu diesem Pferd wie die Jungfrau zum Kind. Eines Tages war sie da und es war Liebe auf den ersten Blick. Unerzogen, respektlos und giftig wie sie war, war es obendrein eine unendliche Übertreibung, ihren Ausbildungsstand als eingeritten zu bezeichnen. Der Umgang mit diesem Monster war eine Katastrophe und sehr bald geprägt von Angst. Die kleine Kröte zu verkaufen war aber auch keine Option. Ich hatte Glück und geriet an einen Trainer, der - ähnlich wie Monty Roberts - an schwierigen Pferd-Besitzer-Beziehungen arbeitet. Von da an wendete sich das Blatt und in mühevoller und jahrelanger Kleinarbeit konnte ich aus diesem Monster die vielgerühmte 'Lebensversicherung im Gelände' machen. Ich musste absolute Konsequenz, das richtige Maß an 'Zuckerbrot und Peitsche' sowie das 'Formulieren' von ganz klaren Ansagen lernen. Mit den Jahren wurden wir zu einem eingespielten Team und haben viele gemeinsame Kilometer zurückgelegt.

 

 

Flickas Herkunft und ihr genaues Alter sind ungewiss. Ihrer Sturheit wegen gab es den Verdacht, dass ein Esel seine Finger mit im Spiel gehabt haben muss. Das brachte ihr schließlich den Spitznamen 'das Muli' ein. Wenn sie sich über irgendetwas ärgert und unter Hochspannung steht, sieht sie einem Spanier ähnlich. Ich vermute daher, dass sie eine Kreuzung aus Pony und Spanier ist. Den Begriff 'Spanier' habe ich bewusst gewählt und nicht näher definiert, weil eben alles an ihrer Herkunft ein Rätsel ist.

 

 

Flicka, die anfangs grundsätzlich jede Anweisung in Frage gestellt hat, gehört zu den diskutierfreudigen Pferden. Mittlerweile tritt diese Diskussionsbereitschaft nur noch phasenweise auf.

 

Flicka ist eher ein Einzelgänger. Sie lebt in einer Herde von insgesamt 7 Pferden, steht aber fast immer abseits. Die Herde kann losgaloppieren, Flicka hebt nicht mal den Kopf. Auch hat sie ein spezielles Schlafverhalten. Sie liegt auf der Wiese wie erschossen und lässt sich von nix aus der Ruhe bringen. Viele Male kamen aufgeregte Spaziergänger und berichteten von einem scheinbar toten Pferd auf der Weide…

Sie ist fast immer flott unterwegs und dabei sehr ausdauernd. Hinten gehen in der Gruppe findet sie schrecklich und wenn man nicht aufpasst, ist man wie von Zauberhand doch wieder vorn…

 

Leider wurde im November 2010 Spat an beiden Sprunggelenken festgestellt. Im April 2013 kam ein schwerer und für die Jahreszeit sehr ungewöhnlicher Reheschub hinzu. Als ich mich grade mit der Frage auseinandersetzte, ob das nun das Ende sei, erholte sie sich wider erwarten und mit mehreren Spezialbeschlägen hatte sie einen schönen Sommer. Doch dann kam der Winter und mit dem feucht-kalten Wetter kamen die Gelenkschmerzen zurück. Trotz Schmerzmittel keine wirkliche Besserung. Am 19. Mai 2014 wurde sie eingeschläfert. Ich danke diesem Pferd für fast 16 gemeinsame Jahre. Viel haben wir voneinander gelernt, viel haben wir erlebt. Rest in Peace my dear friend!!!

 

 

 

19. Mai 2014 - das letzte und schönste Bild von ihr!!!
19. Mai 2014 - das letzte und schönste Bild von ihr!!!

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Hinlegen - fast perfekt

 

 

Hinlegen - perfekt